Sportwetten-Regulierung in Österreich 2026: GSpG-Reform, Abgaben und Konzessionen

Loading...
Österreichs Sportwetten-Regulierung im Umbruch: Was sich 2025/26 ändert
Als Zahlungsanalyst beobachte ich regulatorische Veränderungen besonders genau, weil sie direkte Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr haben. Und was gerade in Österreich passiert, ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel: Die Sportwetten-Abgabe wurde von 2 auf 5 Prozent erhöht, eine umfassende Reform des Glücksspielgesetzes steht bevor, und die Konzessionen laufen 2027 aus. Drei Veränderungen gleichzeitig – das hat es so in Österreich noch nicht gegeben.
Seit April 2025 zahlen Sportwettenanbieter 5 Prozent auf den Bruttospieleinsatz – mehr als das Doppelte des bisherigen Satzes. Die erwarteten Mehreinnahmen: rund 50 Millionen Euro allein im ersten Jahr, mit dem Potenzial, bis 2028/29 auf 200 Millionen Euro jährlich zu steigen. Das ist kein kosmetischer Eingriff, das ist eine strukturelle Veränderung des Marktes.
GSpG-Grundlagen: Sportwetten vs. Glücksspiel in Österreich
Wer die österreichische Sportwetten-Regulierung verstehen will, muss eine Unterscheidung kennen, die es in keinem anderen deutschsprachigen Land so gibt: In Österreich gelten Sportwetten als Geschicklichkeitsspiele – nicht als Glücksspiele. Diese Einstufung hat weitreichende Konsequenzen.
Das Glücksspielgesetz – GSpG – regelt Casino-Spiele, Online-Glücksspiel und Lotterien. Für diese Bereiche gibt es ein strenges Konzessionssystem: Nur wer eine Konzession vom Finanzministerium erhält, darf in Österreich legal Glücksspiel anbieten. Derzeit hält ein einziger Konzessionär die Lizenzen für Lotterien und Online-Glücksspiel.
Sportwetten fallen dagegen in die Kompetenz der Bundesländer. Jedes der neun Bundesländer hat eigene Regelungen, die sich in Details unterscheiden – von der Lizenzierung über die Werbebeschränkungen bis hin zur Besteuerung. Der gesamte Sportwettenmarkt in Österreich generiert einen Bruttospielertrag von rund 2,1 Milliarden Euro, verteilt auf Lotterien, Online-Gaming und Sportwetten. Sportwetten allein tragen etwa 283 Millionen Euro bei.
Diese Aufteilung – Glücksspiel beim Bund, Sportwetten bei den Ländern – schafft eine regulatorische Grauzone, die seit Jahren kritisiert wird. Viele Wettanbieter operieren mit EU-Lizenzen aus Malta oder Gibraltar und bedienen österreichische Kunden legal, ohne eine österreichische Konzession zu besitzen. Das ist aus EU-rechtlicher Sicht nicht zu beanstanden, sorgt aber für Unsicherheit bei Verbrauchern und einen ungleichen Wettbewerb mit heimischen Anbietern.
Für Trustly-Nutzer hat diese Regulierungssituation eine praktische Konsequenz: Sie können sowohl bei österreichisch lizenzierten als auch bei EU-lizenzierten Anbietern einzahlen. Trustly unterscheidet nicht nach Lizenztyp – der Zahlungsdienstleister verarbeitet Transaktionen für alle regulierten Anbieter gleichermaßen. Ob der Anbieter eine maltesische oder eine (künftige) österreichische Lizenz besitzt, ändert nichts am Zahlungsprozess selbst.
Sportwetten-Abgabe: Von 2 % auf 5 % – Auswirkungen auf Anbieter und Wettende
Die Erhöhung der Sportwetten-Abgabe von 2 auf 5 Prozent seit April 2025 ist der greifbarste Eingriff der letzten Jahre. Die Abgabe wird auf den Bruttospieleinsatz erhoben – also auf die Summe aller Wetteinsätze vor Abzug der Auszahlungen. Das ist ein wichtiger Unterschied: Die Abgabe wird nicht auf Ihren Einzahlungsbetrag berechnet und nicht direkt von Ihrem Wettkonto abgezogen.
Für die Anbieter bedeutet die Erhöhung eine spürbare Mehrbelastung. Die prognostizierten Einnahmen aus der Sportwettenabgabe sollen von 82,4 Millionen Euro im Jahr 2023 auf rund 119,6 Millionen Euro im Jahr 2026 steigen. Diese Mehrkosten können die Anbieter auf verschiedene Arten kompensieren: durch niedrigere Quoten, geringere Bonusangebote oder Einsparungen bei anderen Kostenpositionen.
Was bedeutet das für Sie als Wettenden? Indirekt könnte sich die Erhöhung auf die Quotenqualität auswirken. Wenn ein Anbieter mehr an den Staat abführen muss, bleibt weniger Marge für attraktive Quoten. Ob und wie stark dieser Effekt spürbar wird, hängt vom Wettbewerbsdruck ab – in einem Markt mit vielen Anbietern ist der Spielraum für Quotensenkungen geringer als in einem Monopol. Aus meiner Beobachtung: Die Quoten bei den großen internationalen Anbietern haben sich seit der Erhöhung kaum merklich verändert. Die Anbieter absorbieren die Mehrkosten vorerst, um Marktanteile nicht zu verlieren.
Für den Zahlungsverkehr hat die Abgabenerhöhung keine direkten Konsequenzen. Ihre Trustly-Einzahlung von 100 Euro landen weiterhin als 100 Euro auf dem Wettkonto. Die Abgabe ist eine Angelegenheit zwischen Anbieter und Finanzamt, nicht zwischen Anbieter und Wettkunde. Trustly verarbeitet die Transaktion unabhängig von der Höhe der Sportwetten-Abgabe – der Zahlungsdienstleister ist steuerlich neutral.
Konzessionen 2027: Was nach dem Ablauf passiert
Ein Datum, das die Branche nervös macht: 30. September 2027. An diesem Tag laufen die Konzessionen für Lotterien und Online-Glücksspiel in Österreich aus. Die sechs Casino-Lizenzen folgen am 31. Dezember 2027. Was danach kommt, ist offen – und genau das macht die Situation so brisant.
Dr. Raffaela Zillner, Generalsekretärin der OVWG, warnte schon 2021, dass Netzsperren ohne eine „zeitgemäße Regulierung“ das falsche Signal senden würden. Ihre Metapher: Man würde „das Pferd von hinten aufzäumen.“ Diese Kritik hat nichts an Aktualität verloren. Die Frage, ob Österreich die Konzessionsvergabe öffnet – also mehreren Anbietern Lizenzen erteilt statt einem Monopol – oder das bestehende System erneuert, ist das zentrale Thema der GSpG-Reform.
Für Sportwettende in Österreich hat der Konzessionsablauf indirekte Konsequenzen. Wenn der regulatorische Rahmen klarer wird, könnten mehr Anbieter offizielle österreichische Lizenzen anstreben – was den Spielerschutz verbessern, den Wettbewerb intensivieren und langfristig die Zahlungsinfrastruktur professionalisieren würde. Gleichzeitig könnte eine Marktöffnung neue Anbieter nach Österreich bringen, die innovative Zahlungslösungen mitbringen – darunter möglicherweise auch Pay-N-Play-Modelle, die bisher auf skandinavische Märkte beschränkt sind.
Meine Einschätzung als Zahlungsanalyst: Die Kombination aus GSpG-Reform, Abgabenerhöhung und Konzessionsablauf schafft ein Zeitfenster für grundlegende Veränderungen. Ob Österreich dieses Fenster nutzt, hängt vom politischen Willen ab. Was sicher ist: Open-Banking-Zahlungen über Dienste wie Trustly werden unabhängig vom regulatorischen Ausgang weiter funktionieren – die Technologie ist EU-weit standardisiert und nicht an österreichische Konzessionen gebunden. Für Wettende ändert sich am Zahlungsprozess selbst nichts, aber die Rahmenbedingungen könnten sich deutlich verbessern. Mehr zum Kontext finden Sie in der zentralen Analyse zu Trustly und Sportwetten.
Wirkt sich die Erhöhung der Sportwetten-Abgabe auf meine Wettquoten aus?
Indirekt ja. Die erhöhte Abgabe von 5 Prozent belastet die Anbieter, die diese Kosten teilweise über niedrigere Quoten weitergeben können. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt vom Wettbewerbsdruck im Markt ab. Auf Ihre Trustly-Einzahlung oder -Auszahlung hat die Abgabe keinen direkten Einfluss.
Wann wird die GSpG-Reform in Kraft treten?
Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Die Konzessionen laufen am 30. September 2027 aus, und die Reform muss davor abgeschlossen sein, um ein regulatorisches Vakuum zu vermeiden. Die Diskussionen laufen, aber ein konkreter Gesetzentwurf ist noch nicht veröffentlicht.
Erstellt von der Redaktion von „Trustly Wetten“.